Historic Zandvoort Trophy: Rennbericht Nr.2 (von Christian Marx)
Historische Zandvoort Trophy, Mai 2010
Christian Marx,Triumph TR4, # 74
Mein Rennbericht:
Lang war der Winter und vor allem kalt.
Umso angenehmer war das Wochenende in Zandvoort, bei viel Sonnenschein und erträglichen 10-15°C tagsüber.
Ein großes Starterfeld präsentierte sich im Fahrerlager.
Die Triumph Competition/MG-Competitions ist mit seinen zahlreichen Fahrern und Fahrzeugen eine sehr spannende Rennserie geworden. Enge Rennen und faires Verhalten der Fahrer zeichnet uns aus, würde ich sagen.
Nach all der Arbeit an meinem Wagen über den Winter war ich gespannt, wie er sich bewähren wird. Besonders auf den neuen Auspuff war ich gespannt.
Nachdem mir auf einer Testfahrt mein Edelstahlschalldämpfer geplatzt war, baute ich von der Fa. Bastuck einen gigantischen 76mm Auspuff unter den Wagen.
Das erste Training zeigte, dass der Wagen mit dem Auspuff gut zurecht kam, allein aber das Emissionmikrofon der Rennstreckenbetreiber war von meiner Klangorgie nicht begeistert….. mit 95 dB wurde ich verwarnt, ob der Überschreitung der erlaubten 90 dB.
Immerhin war meine Startposition mit Platz 12 einigermaßen. Marcel, mein Klassengegner im TR3 war auf Platz 2, uneinholbar für mich, so konnte ich als Strategie für das Rennen mich nur auf meine Gegner hinter mir konzentrieren, dass ich meine Position als 2. in der Klasse behaupten kann.
Durch die Verwarnung der Rennleitung, dass ich zu laut bin, baute ich den Auspuff um und installierten einen Schalldämpfer von Jo Willems, der für Zandvoort einige Dämpfer für Bedürftige mitgenommen hat.
Rennen 1:
Wie immer ist der Start turbulent. Als die Startampel verlöschte, fuhr ich mit zu viel Wheelspin an, wodurch Sjaak St. Nicolaas vom Red Baron Team mich passieren konnte. Ich blieb ihm auf den Fersen bis zur ersten Kurve, als Sjaak unglücklich die Flügelmutter vom Lotus Elan von Gerrit Westhoff touchierte und nach der Kurve mit einem Reifenschaden ausrollte. Ich hatte meinen Platz durch sein Missgeschick geschenkt bekommen. Marcel war leider nicht in Sichtweite, so achtete ich auf Volker Mielcarek, der irgendwo dicht hinter mir kreuzte und auf Fehler von mir hoffte.
Schon wenige Kurven später pflügten die Zandvoortkenner Alex de Boom und Teun Bleijnberg an mir vorbei. Ich hatte keine Chance, mich dagegen zu wehren, was ich aber auch nicht unbedingt musste, da die MGBs in einer anderen Klasse fahren, daher für die Wertung ist das unerheblich ob die MGs vor oder hinter mir sind. Aber ein guter Gradmesser für den eigenen Speed sind sie allemal.
Nachdem sich das Feld sortiert hatte, fand ich mich im Kielwasser von Gerrit Westhoff mit dem Lotus Elan. Es war ein echter Spaß einem Lotus zu folgen, doch schon bald hatte ich einen TVR formatfüllend im Rückspiegel. Der TVR hat etwa die doppelte Leistung als mein kleiner TR4, aber trotzdem kann ich mich ca. 2 Runden lang behaupten, bis er einen Weg vorbei findet und auch Gerrit im Lotus überholt. Als 3er Kampfgruppe donnerten wir über die Strecke. In man einer Kurve qualmten die gequälten Reifen von Gerrit, der versuchte an dem TVR zu bleiben, während ich versuchte, mit den vor mir Fahrenden Schritt zu halten. In der letzten Runde konnte ich mich Eingangs Sheivlak an Gerrit vorbeibremsen, weil ich auf dem vorhergehenden Geschlängel die Zähne zusammengebissen habe und das Gas am Bodenblech festgenagelt hatte – komme was da wolle. In den kurvigen Passagen kann ich dank der A048er Semislicks den Dunlop Racing bereiften Fahrzeugen mit Leichtigkeit folgen. Nun war ich im Heck des TVR, der mich eben in den Kurven nun aufhält, was Gerrit auf der nächsten längeren Geraden in die Lage versetzt, die Performance seines Lotus auszunutzen und seinen Platz wieder zurück zu erobern.
Zieleinlauf: 11ter.
Rennen 2:
Ich erwischte einen besseren Start, dieses Mal ohne durchdrehende Räder. Ende der Start-Ziel-Geraden fand ich mich hinter Albert van der Wal (MGB GT V8) und Cor Visser (Austin Healey 3000) wieder. Beides Autos mit bärenstarken Motoren jenseits der 200PS Marke. Nach wenigen Runden waren wir eine Kampfgruppe. Cor vorne, dahinter Albert und ich bildete den Schluss. Rundenlang folgte ich Albert und studierte ihn. Ich konnte ihn in der Sheivlak-Kurve angreifen und vorbeigehen. Nun folgte ich dem Healy, glücklicherweise konnte Albert nicht sofort wieder aufschließen und folgte mit ca. 15 Meter Abstand. Nach wenigen Runden hatte ich die Stelle gefunden, an der ich Cor im Healy angreifen konnte, das Problem ist aber, dass der Healey auf den Geraden wieder an mir vorbei fährt, also muss ich nach dem Überholmanöver sofort die Flucht ergreifen und fahren als wäre der Teufel persönlich hinter mir. Ebenso in der Sheivlak bremste ich 2 Runden vor Schluss am Healey vorbei und trat aufs Gas was die Reifen hergaben. So verhinderte ich in der Runde, dass ich überholt wurde, doch plötzlich wurde mein Motor heiß. Bei Start und Ziel wurde das „last lap“ Zeichen gezeigt. Nie zuvor sehnte ich das Rennende derart herbei. Cor und Albert waren ca. 50 Meter hinter mir, als ich in die letzte Runden ging und beharkten sich gegenseitig, was mir etwas half. Für mich galt, frühzeitig hochschalten, wenig Vollgas geben, den Wagen rollen lassen…Kurve für Kurve schmolz mein Vorsprung dahin. Cor und Albert hatten wohl bemerkt, dass ich Fischfutter geworden war und kooperierten, um an mich heran zu fahren. Im großen Gang rollte ich durch die Kurven mit Halbgas und hoffte...die letzte Gerade, nun musste ich entscheiden: „Wird der Motor 800 Meter Vollgas überstehen?“
Seis drum – ich trat drauf, schaltete aber trotzdem schon bei 5500 rpm hoch. Ich konnte ca. 5 Meter Vorsprung ins Ziel retten – nie zuvor musste ich so hart kämpfen und so um meinen Motor bangen.
Zum Glück hat die Maschine außer Wasserverlusten keine Schäden erlitten. Eine neue Zylinderkopfdichtung sollte das Problem beheben.
Zieleinlauf: 10ter
Grüße
Chris




