State of Art Grand Prix:     Rennbericht I

Liebe Freunde der Triumph Competition,

wir freuen uns, dass einer unserer beiden diesjährigen "Rookies", nämlich Joe Kühne, uns an seinen Erlebnisssen um und in seinem ersten Rennen in dem schönen, silbernen Triumph TR4 teilhaben läßt:

Unbedingt lesenswert!

 (VM)

 

Zandvoort: State of Art GrandPrix – 12./13. September 2009

 

„Rookie“ Rennbericht Joe Kuehne (Triumph TR4 – Nr. 77):

 

Nun war es endlich soweit. Nachdem ich fast die ganze Saison nicht wie geplant teilnehmen konnte, da mein TR 4 nicht fertig wurde, ging es nach Zandvoort. Das Warten war vorbei.

 

Bei Ankunft am Freitag morgen auf der Strecke, die ich erst gar nicht fand, zwei mal aus Nervosität vorbei fuhr, war mein Unterstützer Volker Mielcarek schon vor Ort. Stefan Schamschula auch, den ich nun endlich kennen lernen durfte. Ich freute mich sehr, all die Fahrer, die ich lediglich von der Fahrerliste auf der Homepage kannte, endlich live zu treffen.

 

Das Wetter war klasse. Nicht zu warm und trocken mit Sonnenschein.


Beim Abladen meines Triumphes stellten wir fest, dass nach der Tieferlegung die neuen Stossdämpfer, die ich bei Moss bestellt hatte, zu lang waren und auf „Stoss“ saßen. Was nun? Mein erstes Rennwochenende schien wieder in weite Ferne zu rücken. Volker nahm mal wieder das Lösungsheft in die Hand und fing an zu telefonieren. Mario Neumann, Jo Willems, es wurde nach Lösungen gesucht. Woher passende Dämpfer auf die Schnelle nehmen, die eine sichere Fahrweise zuließen? Umrüsten auf das originale Hebeldämpfersystem wurde überlegt. Mario und Jo wollten hierfür alle nötigen Teile mitbringen. Aber wann sollte das geschehen? Technische Abnahme stand an und Fahrerbriefing war für Samstagmorgen angesetzt.

Zeitdruck und Panik, wieder passen zu müssen machten sich breit und meine Gefühlswelt kam mal wieder im Rahmen des Projektes TR Competition ins Schwanken. Dann hatte Stefan die zündende Idee:

Henk Thuis von Intrax Racing Suspension könnte die schnelle Lösung sein. Via Blackberry Nummer gegoogelt, Henk angerufen, das Problem geschildert, TR gesattelt und angehängt und mittags um 12 ab nach Volkel (zwischen Nijmwegen und Eindhoven).

 

Also ich kann diese Adresse nur empfehlen. Was Henk dort macht, ist mehr als beeindruckend. Ich war staubedingt erst gegen 15 Uhr dort, man unterbrach sofort alle anderen Arbeiten, bockte den TR auf und nahm sich der Dämpfer an der Hinterachse (Spax Gaz) an. Lange Geschichte gekürzt, innerhalb von 2 Stunden wurden mir speziell auf meinen TR abgestimmte, verstellbare Stossdämpfer angefertigt. Ich gebe zu, der Preis trieb mir die Tränen in die Augen, die Qualität und schnelle Hilfe durch Henk, der mein Rennwochenende gerettet hat, ließen mich diesen Schock dann doch besser verdauen.

 

Ich traf dann am Freitagabend um 21 Uhr wieder auf der Rennstrecke im Fahrerlager ein. Alles schien gerettet. Bei dieser Gelegenheit lernte ich dann auch Chris Marx endlich kennen,

der mittlerweile eingetroffen war.

 

Ein kurzer Schnack noch und dann ab in das Ferienhaus, dass ich für dieses Wochenende im angrenzenden Sunpark gemietet hatte, da meine Verlobte und meine Tochter – die ich übrigens aufgrund der Stossdämpferarie bei Ihrer Ankunft in Amsterdam Central versetzt hatte –und mein Freund – der glücklicherweise  Mechaniker ist und aktiv beim Aufbau des TRs mitgeholfen hat - Michael Haar und seine Partnerin Daniela, mein erstes Rennwochenende miterleben wollten.

 

Der Samstag kam!

 

Endlich war die Nacht, die eher schlaflos war, vorbei.

Um 7:30 ging es an die Strecke und ins Fahrerlager, das sich nach dem letzten Anblick im Hellen doch sehr verändert hatte. Es war voll von Pavillons, Wohnmobilen, Zelten, Bussen und vor allem Rennwagen.

Die ganzen Triumphs und MGs unserer Serie, wie aber auch die Autos der anderen Serien, reges Treiben, warmlaufende Motoren, all das lies mir eine Gänsehaut über den Rücken gehen.

Ich war endlich angekommen und DABEI.

 

Dann ging alles relativ schnell, technische Abnahme (uff… bestanden), Fahrerbesprechung, mir wurde durch Volker noch mal schnell der in Holland vorgeschriebene Arm Restraint (den ich auch bei deutschen Rennen tragen werde – aber dazu später mehr) organisiert, und ab zum Vorstart.

Da stand ich nun aufgereiht zwischen den anderen. Mein Herz sprang nur nicht aus meinem Körper, da die Hosenträger mehr als stramm saßen und der stabile Öldruck meines Motors, war ein Kindergeburtstag im Vergleich zu meinen gefühlten Blutdruck.

 

Es ging los auf die Strecke. Meine Befürchtung, den Motor beim Anfahren durch die Aufregung abzuwürgen, trat glücklicherweise nicht ein.

Reifen und Bremsen ein wenig warmfahren und dann hoffen, wenigstens eine gezeitete Runde – die nächste Hürde auf dem Weg zum Rennen – hinzubekommen.

 

Das Auto lief schön und ich verstand die Strecke immer mehr, als ich auf meinen Umrundungen dieser, immer wieder Marshals mit hochgehaltenen Feuerlöschern sah. Meinten die mich? Ein schneller Blick auf die Instrumente lies nichts Böses erahnen. Einzig meine Bremse, Fahrerseite hinten, jaulte bei härterem Bremsen und klang gestresst. Bei der nächsten Runde wieder die erhobenen Feuerlöscher der Streckenposten, aber da ein vor mir fahrender MG erheblich Sprit aus seiner Heckklappe verlor, dachte ich, es gelte ihm, bis Helene Dielen dann neben mir auftauchte – ich fuhr langsamer aufgrund der nachlassenden Bremse hinten – und neben mir irgendwie auf meinen Wagen deutete.

 

Also Stopp am nächsten Streckenposten. Als ich dort anparkte, kamen diese schon rennend auf mich zu und schrien „fire, fire“, ich verließ mein Auto, sah aber bei genauerer Betrachtung keinerlei Brandherde. Auch nach dem Öffnen der Motorhaube, keinerlei Flammen in Sicht. Was ein Glück.

Die nette Dame der Streckenposten half mir beim Anschnallprozedere und nach Freigabe durch einen anderen Marshall durfte ich wieder auf die Strecke, jedoch war nach ein paar Kurven das Qualifying vorüber.

 

Im Fahrerlager erfuhr ich durch meine Verlobte Katja, wie auch Michael und anderen Zuschauern, dass ich jedes Mal beim Anbremsen, sowie Rausbeschleunigen einer Kurve Feuer unterm Auto hatte. Komisch.

Wir checkten das Auto durch, konnten aber nichts entdecken.

Platz 30 war das Ergebnis meines ersten TC Qualifying. Ich war damit zufrieden, ist es doch eine sehr leistungsstarke Serie.

Ich freute mich auf das Rennen am Nachmittag und verbrachte die Zeit bis dahin mit anderen Fahrern und/oder sonnend auf meinem Hänger.

 

Dann wurde es aber wirklich spannend.

 

Das Rennen.

Die Warterei am Vorstart dauerte diesmal länger und all meine menschlichen Parameter waren viel höher als beim Qualivorstart.

Es ging los.

Warmup-Lap. Reifen wärmen, Bremsen auf Temperatur bringen, Instrumente checken, auf die Marshals achten, ob sie wieder die Feuerlöscher hoch hielten, richtige Platzierung für den Start einnehmen.

 

Entweder schlief ich auf meinen Startplatz, oder es ging wahnsinnig schnell los, denn ich merkte wie nicht nur die vor mir losfuhren, nein auch die wenigen hinter mir an mir vorbei zogen. Na klasse Kuehne, dachte ich mir und nahm dann auch als Letzter das Rennen auf. Ganz vorsichtig in die erste Kurve einbremsen und ja aus dem Getümmel raushalten, bis das Feld sich ein wenig sortiert hatte, war meine Taktik, die vom letzten Platz ja auch nicht weh tat….. grins….

Ich fuhr meinen Stiefel und merkte, dass die Wagen vor mir doch langsamer fuhren als ich. Ich konnte also Plätze gut machen, kam gut voran, überholte sogar einen der nominal stärkeren mintgrünen TR 4 und machte mich auf, den vor mir liegenden MG anzustreben. Da sah ich wieder Streckenposten, die Feuerlöscher hochhielten. Wieder ich? Mist. Ich fuhr trotzdem erst einmal weiter, weil ich keinerlei Brand registrieren konnte.

 

Als dann aber – in Runde 3 oder 4 – die erhobenen Feuerlöscher bestimmter gezeigt wurden, entschloss ich mich, wieder bei dem mir mittlerweile bekannten Marshals erneut anzuhalten. Diese kamen auf mich mit den Worten zu: „Excuse us, but we need to check you again, there are flames under your car“. “Excuse” sagte ich, “for what, you gimme safety”.

 

Also erneut aussteigen und das Auto durchchecken. Nichts zu erkennen.

Ich durfte nach 2 Runden dann weiter, aber das war nicht so einfach wie gedacht. Meine Bremsen hinten waren zu heiss und fest.

Ich konnte dann irgendwann doch los und dann geschah es!

 
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Nach Anbremsen von der Start/Zielgraden kam ich zur Hugenholzbocht, verlor das Auto, fing an mich zu drehen, Zeitlupe ging an, ich dachte noch hoffentlich schaffe ich es an den Reifenstapeln vorbei und dann kam der Einschlag hinten links! Ich wurde darauf wieder auf die Rennstrecke zurück geschleudert und blieb stehen. Aus! Das Rennen, das Wochenende, man was bin ich für ein Trottel schoss es aus meinem Kopf. Wild gelb schwenkende Marshals sah ich und dann kletterte ich geknickt wie mein Auto aus meinem Wagen.

 

Die Streckensicherung kam sofort an, wir hängen das lädierte Baby ans Seil und zogen es von der Strecke. Es sah einfach schrecklich aus. Die Leute von der Tribune sahen mich entsetzt an, dann sah ich meine Verlobte und Tochter, wie auch Michael meinen Mechaniker mit bleichen Gesichtern.

 

Was war passiert, fragte ich mich, ich fuhr diese Stelle doch auch wie die Runden zuvor? Warum ist das passiert, schoss es durch meinen Kopf als auch schon wieder jemand „Feuer!“ rief und die Streckensicherung diesmal wirklich zum Löscher griff und diesen auch einsetzte.

 

Ich war traurig und am Boden. Die ganzen letzten Monate weggeworfen in einem Bruchteil einer Sekunde….. Is that racing?

Zwei Runden später war dann auch das Rennen regulär vorbei. Nur zwei Runden später!!!

 

Während der Auslaufrunde winkten mir die Vorbeikommenden zu und ich konnte erkennen, dass Ihnen mein Ausrutscher leid tat.

 
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Zurück im Fahrerlager – mit Gratisfahrt auf dem Abschleppwagen und viel aufmunterndem Feedback abseits der Strecke – wurde ich natürlich interviewed, wie das passieren konnte. Ich sah mir den Schaden an, zog meine Rennkleidung aus und begann die losen Teile zu demontieren, um das Ausmaß des Schadens erkennen zu können.

 

 
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Da geschah etwas, was ich so noch nie gesehen, noch erfahren habe. Es waren plötzlich Fahrer, Mechaniker – auch von anderen Serien – am Auto und man fing an, das Auto mit mir wieder flott zu machen. Jo Willems entdeckte die Ursache für das Feuer – es war eine Schraube aus dem Vergaser gefallen, Mario Neumann kam mit Hammer und Gurten und wir zogen mit Nikolai Bakschies, im Auto bremsend sitzend, Mario wie ein Schmied mit Hammer schlagend (Thor ist ein müder Zock sage ich euch) und einem Gurt am Jeep den Schaden an der Heckflosse wieder gerade. Andere widmeten sich der Kofferaumdeckelbefestigung und dann wurde getaped. Alle brachten irgendwie Tape vorbei. Stefan, Helen, Marc.

 

Es war irgendwie eine komische Situation. Haste ne Reifenpanne auf der A3 schert sich niemand um Dich und dann haste in der TC dein Auto totalschadenähnlich verbügelt und jeder packt an. Wahnsinn!

 

Der Wagen wurde von allen wieder so genial zusammen geflickt, dass ich am Sonntagmorgen um 8 Uhr von einem sehr netten Rennbetreuer der Top Fuel Westfield Cup Serie aus Bad Camberg die Spur vermessen und eingestellt bekam. Technische Abnahme, und dann nachmittags als letzter bei Regen startend ins Rennen. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

 

Jedoch merkte ich schon beim ersten Anbremsen, dass das Auto sehr stark versetzte. Die Diagnose, dass die Spurstangen vorne und die Lenkung beim Crash am Vortag in Mitleidenschaft gezogen waren, bewahrheitete sich leider, so dass ich nach 4 Runden entschied, die Boxengasse aufzusuchen und aufgab.

 

Was ein Wochenende.

 

Nun wieder zu Hause, gilt es den TR für das Saisonfinale am Nürburgring fertig zu bekommen. Trotz aller Tiefen, die ich in diesen Tagen erlebt habe, stelle ich fest, ich bin überglücklich, dass Volker Mielcarek mich in diese Rennserie geführt hat. Die Menschen, die ich dort traf (übrigens 1000 Dank an alle Helfer), sind Extraklasse und ich schließe nun meinen Rennbericht mit den Worten:

 

Looking forward racing with you at Nuerburg, cause I´m addicted to racing?

 

Liebe Grüsse vom Rookie

Joe

 

P.s. Wir bauen gerade ne Homepage auf, die mit Videos und Bildern gefüllt wird (auch die Crashbilder sind dort zu sehen)

 

www.jk-racing.org